Die Orgel

OrgelÜber die Vorgängerinstrumente ist wenig zu erfahren. Immerhin existieren Photographien der 1965 abgerissenen Orgel, die mit der Innenraumumgestaltung 1878 in die Petruskirche kam (siehe nebenstehendes Bild). 2013/2014 tauchten Reste von Registern dieser Orgel auf (vermutlich Flöte, Gedeckt, Doppelflöte). Die erste Orgel erhielt die Petruskiche unmittelbar nach dem ersten großen Kirchenumbau 1601/1602, somit erstaunlich früh im Vergleich mit anderen Gemeinden. Der Erbauer ist unbekannt.

1701 muss es einen Neubau (8/I) für 295 Gulden durch Joh.Christoph Hertzer aus Schwäbisch Gmünd gegeben haben. Er nahm die alte Orgel in Zahlung. "Die alte Orgel tat 100 Jahre ihren Dienst und wurde mit 75 fl. in Zahlung genommen". Dies könnte der Hinweis auf die wohl erste Orgel von 1601/1602 sein.

Der für 1808 genannte Neubau - (13/?) durch Hagemann, Knecht aus Tübingen für 1427 fl.  - könnte den Prospekt von 1701 übernommen haben. Auch hier soll die Orgel von 1701 für 100 fl. in Zahlung genommen worden sein. Es existiert eine Skizze, die den Innenraum vor der Umgestaltung durch Leins 1878 zeigt, es ist ein frübarocker Orgelprospekt auf einer Empore vor dem Chorbogen zu erkennen, ähnlich der Situation im Nachbarort Malmsheim (siehe mehr-zur-Orgel).

1877 Neubau (16/II) von Link/Giengen als Opus 94 im Zuge der Leinsschen Umgestaltung der Kirche. Einzig von diesem Vorgängerinstrument sind dank der erhaltenen Farbaufnahmen und den Resten von Registern mehr Details bekannt. Bisher ist es nicht gelungen, die Disposition aufzuspüren.

Das bestehende Instrument wurde 1967 von der Firma Weigle, Echterdingen als opus 1183 erbaut. Die Innenrenovierung 1965 hatte mit der gesamten Innenausstattung von Leins kurzen Prozess gemacht. Mittlerweile wurde auch die Weigle-Orgel mehrfach überarbeitet, zunächst 1997, als die Register Prinzipal 8´und Oktave 4´ neue Kerne erhielten und im Tenorbereich neue Halbtöne eingerückt wurden. Mit dem Orgelfestival 2005 und dem 50ten Konzert zugunsten der Orgel rückten die geplanten Arbeiten zur klanglichen Verbesserung in greifbare Nähe, schließlich war nach der Renovierung des Innenraumes 2000 ohnehin eine Ausreinigung der Orgel notwendig geworden. 

Von Herbst 2006 bis Frühjahr 2007 wurde das Instrument ausgereinigt und von OBM Michael Mauch dabei um vier neue Register erweitert. Aber auch bestehende Register wurden verändert. Alle Pfeifen wurden von OBM Tilman Trefz neu intoniert, sodass die Orgel einen komplett neuen Klang erhielt. Nun klingt sie voller, gesanglicher und richtig schön. Dank eingehender Spenden konnten schon im Mai 2007 die noch fehlenden Pfeifen des neuen Registers Salicional 8´ eingesetzt werden. Heute verteilen sich nach den umfangreichen Arbeiten von 2006/07 insgesamt 27 klingende Register auf zwei Manuale und Pedal .

(Die Links zu Michael Mauch und Tilman Trefz sollen Sie auf die Internetseite von Tilman Trefz www.tilmantrefz.de führen).

2010 verbesserte Tilman Trefz noch einmal das Klangbild durch Intonationsarbeiten an der Mixtur im Hauptwerk und an den Aliquoten des Schwellwerkes.

Doch damit hat die Geschichte dieser Orgel noch kein Ende gefunden. Und wenn Träumen erlaubt ist, dann vielleicht von einem Cellobass oder Gemsbass anstelle des aus gebrauchten Pfeifen gebildeten Gedecktbass im Pedal, dann vielleicht von einer neuen Rohrflöte im Hauptwerk, dann vielleicht von einer eigenen Stromversorgung durch einen Kalkanten auf dem Dynamofahrrad für atomstromfreie Konzerte...

Besuchen Sie die Konzerte, spenden Sie unter dem Stichwort "pro organo" auf das Konto 70 800 006 bei der VOBA Region Leonberg BLZ 603 903 00 für weitere Orgelaufgaben.

heutige Disposition in der Reihenfolge der Registerwippen :

Pedalwerk

1
Subbass
16´
2
Zartbass
16´
3
Kupferoktave
4
Gedecktbass
5
Bassquinte
5 1/3´
6
Choralbass
7
Hintersatz (4fach)
2 2/3´ + 2´ + 1 1/3´ + 4/5´
8
Fagott
16´
9
Koppel I / Pedal
10
Koppel II / Pedal

Hauptwerk

11
Pommer
16´
12
Prinzipal
13
Rohrflöte
14
Oktave
15
Flöte
16
Nasat
2 2/3´
17
Superoktave
18
Terz
1 3/5´
19
Mixtur
(4-5fach) 1 1/3´
20
Trompete
21
Tremulant
22
Koppel II / I

Schwellwerk

23
Schwegel
24
Gedeckt
25
Salicional ab G
26
Geigenprinzipal
27
Blockflöte
28
Querflöte
29
Sesquialter (2fach)
2 2/3´+1 3/5´
30
Gemsquinte
1 1/3´
31
Scharff (3fach)
32
Schalmei
33
Tremulant

noch etwas zu den Orgeln in der Petruskirche

Das optische Äußere sagt nicht viel über den Klang der Instrumente aus. Da jedoch Orgeln Einzelstücke sind, werden ihre Prospekte (die Gehäuse) immer im jeweiligen Zeitgeschmack gestaltet und stellen interessante Kunstobjekte dar. Leider existieren in Renningen und Malmsheim keine historischen Orgelgehäuse mehr. Wenigstens sind zwei der Renninger Orgeln als Zeichung und als Foto überliefert.


Vom Lehrer Höschele existiert eine Zeichnung, die den Innenraum der Petruskirche, und möglicherweise die Orgel von 1701, vor dem gravierenden Umbau durch Leins, wiedergibt. Vermutlich hat er diese Ansicht nach Beschreibungen gezeichnet, da er erst nach diesem Umbau in Renningen weilte.

Eine Photographie der Malmsheimer Germanuskirche von 1914 zeigt eine ähnliche Innenraumsituation wie in der Renninger Petruskirche. Die Malmsheimer Orgel von 1726 stand vor der Ostwand auf einer Empore, welche den Chorraum fast völlig verdeckt. Auch diese Innenraumgestaltung verschwand, mit der alten Orgel, bei dem letzten modernen Umbau der Germanuskirche.

Vom Innenraum der Renninger Petruskirche, wie er sich nach dem Umbau durch Friedrich Leins bis zum radikalen Umbau 1965 zeigte, sind glücklicherweise einige Farbaufnahmen überliefert, darunter auch diese Ansicht der Linck-Orgel von 1877, welche bis 1965 existierte. Eine Disposition dieser Orgel konnte noch nicht aufgefunden werden. Sie besaß 16 Register auf zwei Manualen.

2013 und 2014 sind alte Holzpfeifen wieder aufgetaucht. Möglicherweise gehörten die Holzpfeifen zu den Registern Flöte 8´, Flöte 4´, Bordun 16´, Flöte 8´ und Doppelgedackt 8´.

Die Weigle-Orgel kam erst 1968 in die Petruskirche. Damals fanden 23 Register hinter dem modernen Prospekt Platz. Das Bild zeigt den aktuellen Zustand nach der geglückten Innenrenovierung von 2001, die zwar den Raumzustand seit 1965 respektierte dafür einige Detailverbesserungen mit sich brachte. Kleinere Umgestaltungen der Orgel-Disposition in den 80ern führten zu keiner nennenswerten Veränderung.

Erst die umfassende Neugestaltung und Erweiterung des Instrumentes um 4 Register (2011: 27 Register auf zwei Manualen) zwischen 2006 bis 2010 schuf ein wirklich klangschönes Instrument, wie man es auf den ersten Blick wahrlich nicht vermuten würde.


Die zur Zeit nicht in der Kirche stehende Chororgel (Walcker 1981) wartet beim Orgelbauer noch auf bessere Zeiten und bessere Ideen.

 

 

Impressum - - - Kontakt